Abends in der U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz/Europäische Zentralbank. Auf dem Bahnsteig gegenüber setzt sich ein Mann um die 50 auf eine Bank. Er weint. Er schüttelt den Kopf. Er verdeckt sein Gesicht mit beiden Händen. Er sieht mich nicht. Aber jeder sieht ihn. Ein Mann, der weint. Private Trauer am öffentlichen Ort. Als die U-Bahn einfährt, bleibt er hocken. Ich sehe ihn durch die doppelten Scheiben des Zugs. Kaum, dass die Bahn wieder anfährt, steht er auf, wischt sich über die Augen und ist fort.
Erstveröffentlicht am 11. Juli 2026
Zuletzt aktualisiert am 11. Juli 2026